Ende

Ich möchte mich nochmal bei allen Menschen bedanken, die dieses Jahr zu einer so tollen Erfahrung für mich gemacht haben.

 

Ich bedanke mich vor allem bei meinen Eltern, meinem Bruder, meiner Verwandtschaft und meinen Freunden, die immer zu mir gestanden haben und in Gedanken bei mir waren.

Ich bedanke mich bei meiner Mitfreiwilligen Lea. Sie war mir eine große Stütze und ich teile viele tollen Erinnerungen mit ihr. Sie ist mir während des Jahres eine super Freundin geworden.

Ich bedanke mich bei allen Spendern für ihre Unterstützung.

Ich bedanke mich bei allen Blog-Lesern für das Interesse.

Ich bedanke mich bei den vielen tansanischen Kindern und Erwachsenen, die mir mit ihrer herzlichen Gastfreundschaft ihr Leben, ihre Kultur und ihr Land nähergebracht haben.

Danke!!!

 

Es war eine wundervolle Zeit.

Ich vermisse Tansania und die Menschen dort.

Ich werde dorthin zurückkehren...

 

Zurück in Deutschland

Dienstag, 10.09.2013

 

Ich bin zurück in Deutschland.

 

Mein "Freiwilliges Soziales Jahr" in Tansania ist zu Ende.

 

Ich hatte die Chance 12 Monate in diesem herrlichen Land zu leben. Es war nicht immer leicht. Trotzdem kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass es eine der besten Erfahrungen
meines Lebens war.

 

Nach der schwierigen Anfangsphase habe ich mich immer mehr zu Hause gefühlt. Die einfache Lebensweise und die Herzlichkeit der Menschen, ihre Lebensfreude, ihr lockerer Lebensstil, ihre Kultur,die Umgebung in der sie leben, die unglaublich
faszinierende Natur - dies alles wurde auch ein Teil meines Lebens und Tansania dadurch ein Ort, wo ich mich sehr
wohlgefühlt habe.

 

Dieses Land hat mir auf der einen Seite sehr viel abverlangt, da es am Anfang wie eine andere Welt auf mich wirkte und man erst lernen musste mit den anderen Denk- und
Lebensweisen der einheimischen Tansanier und der Inder, bei denen wir lebten, klarzukommen. Auf der anderen Seite hat mir dieses Land viel gegeben, denn die Menschen dort sind einem trotz ihres einfachen Lebensstils mit so viel Liebe und
Herzlichkeit begegnet, dass ich noch viel von ihnen lernen kann. Ich habe gelernt, die Welt nicht nur aus meinem westlich geprägten Blickwinkel zu betrachten. Am Ende habe ich mich wirklich wie zu Hause gefühlt.


Vor 3 Wochen, am 21. August, bin ich wieder in Deutschland gelandet. Der Abschied war tränenreich und ist mir schwerer gefallen als ich es erwartet hätte. Ich habe mich von den
Schwestern, unseren Kindergruppen, den Frauen und Bekannten auf den Dörfern und meinen neu gewonnenen Freunden in Songea und Peramiho verabschiedet. Ich wäre gern noch länger geblieben. Das letzte halbe Jahr ist wie im Flug vergangen –
viel zu schnell!!!



Zurück in meinem Heimatland, das ich so gut zu kennen geglaubt habe, musste ich mich erneut umstellen und habe manchmal noch immer mit einem Kulturschock zu kämpfen. Es
ist allein schon die Umgebung in der man lebt, die ein ganz anderes Lebensgefühl vermittelt. Die vielen Hoch- und Einfamilienhäuser geben ein typisches deutsches Bild ab. Das Leben spielt sich mehr in den Wohnungen ab und
am Anfang hatte ich manchmal das Gefühl zu ersticken – mir fehlte die naturgebundene Freiheit.

 

Eine einfache Dusche kann zum Erlebnis werden, denn es gibt fließendes Wasser ohne Ende und in jeder Temperatur. Die Ernährungsvielfalt ist beeindruckend. In der ersten Woche nach meiner Rückkehr, habe ich nicht zweimal das gleiche Essen gegessen. Jeden Tag gibt es etwas anderes- Nudeln, Kartoffeln, Pizza, Pasta, verschiedenste Brot-, Käse- und Wurstsorten und und und... In Tansania gibt es täglich Ugali (Maisbrei) mit
Gemüse aus eigenem Anbau und eventuell Tomatensauce. Reis kann sich nicht jeder
leisten. Fleisch gibt es meistens nur an Festtagen.

Die hier herrschende Vielfalt fand ich vor allem
kurz nach der Rückkehr auch ein bisschen überfordernd.

Ich stand z.B. im Supermarkt vor dem Ketchup-Regal und hatte mehr als 10 verschiedene Sorten zur Auswahl. Ich bin dann ohne Ketchup nach Hause gegangen.

In der Dresdner Innenstadt wollte ich mir in der letzten 
Woche neue Schuhe kaufen, da ich ein Jahr lang nur FlipFlops getragen hatte brauchte ich angemessene Schuhe für kältere Temperaturen. Es gibt so viele verschieden Schuhgeschäfte, Preis- und Qualitätsklassen, Angebote und so viele verschiedene Schuhmodelle, dass ich nach mehreren Stunden des Herumirrens total verwirrt war und nichts kaufte.

Ich muss mich noch immer an das schnelle und starre Leben in Deutschland gewöhnen, aber dies braucht wohl einfach Zeit.

 

Erst im Rückblick wird mir bewusst wie wertvoll meine Arbeit und das Leben in Tansania für mich, aber auch für die Kinder, welche wir betreut haben, war. Am Ende unserer Zeit
haben sich die von uns geleiteten Kindergruppen regelmäßig getroffen. Die Kinder haben sich immer sehr auf uns gefreut und uns erwartet. Wir haben mit ihnen spielerisch gelernt. Sie hatten Freude am ungezwungenen Lernen. Es war für sie eine komplett neue Erfahrung. Auch wenn es nur ein kleiner
Fortschritt ist bin ich doch froh, dass wir die positive Weiterentwicklung einiger Kinder mitverfolgen konnten. Mit ihrer respektvollen, lieben und so dankbaren Art, sind sie mir außerdem sehr ans Herz gewachsen. Ich habe mindestens genauso viel von ihnen lernen können wie sie von mir.

Mit den Schwestern war das Verhältnis bis zum Schluss nicht sehr herzlich. Wir sind zwar irgendwann ganz gut miteinander ausgekommen, aber ich habe mich bei ihnen nie sehr willkommen gefühlt... Ich vermisse das Leben bei ihnen bist jetzt jedenfalls nicht. Es ist eine kleine Umstellung nicht mehr ständig mit meiner Mitfreiwilligen Lea zusammen zu sein. Obwohl wir uns vor dem Jahr gar nicht kannten, haben wir in den letzten 12 Monaten ununterbrochen zusammen gelebt und gearbeitet. Wir sind zusammen gereist und haben uns eigentlich immer sehr gut verstanden. Es war eine tolle Zeit mit ihr und uns verbinden viele gemeinsame Erlebnisse. Ich bin ihr sehr dankbar und vermisse es zu jeder beliebigen Zeit mit ihr reden zu können – aber zum Glück gibt es ja das Telefon. Ich hoffe, dass wir noch lange in Kontakt bleiben werden.

 

In der nächsten
Woche sehen wir uns in Berlin bei einem sogenannten „Rückkehrerseminar“ wieder.
Dort werden wir uns mit anderen INVIA-Freiwilligen austauschen.

 

Ab Oktober werde ich dann in Leipzig ein Medizinstudium anfangen und ein neuer Lebensabschnitt beginnt für mich ...

 

Ich gewöhne mich langsam wieder an das Leben hier in Deutschland und werde meine Erinnerungen an Tansania, sowie meine Erfahrungen tief in meinem Herzen bewahren.

 

 

Praktikum im Krankenhaus

15. Juli 2013 - 15. August 2013


In meinem letzten Monat hier in Tansania habe ich ein Praktikum in einem Missionskrankenhaus im Nachbarort Peramiho absolviert .

Diese Zeit war für mich ein unglaubliches Erlebnis und hat mich in meinem Wunsch, Medizin zu studieren, sehr gestärkt. Ich kann es gar nicht abwarten, irgendwann selbst mal als Ärztin tätig sein zu dürfen und nicht nur zuschauen zu müssen.

 

Ich habe während des Praktikums mit anderen deutschen Freiwilligen in einem Haus gewohnt. Die zwei
Jungs (Kilian und Hugo) haben ein Jahr auf einer Farm in der Nähe als Freiwillige gearbeitet.

Lea ist gerade mit Freunden von ihrer Familie verreist. Wir treffen uns erst am Flughafen in Dar es Salaam wieder, wenn wir die Rückreise gemeinsam antreten.

Die Unterkunft in Peramiho ist viel komfortabler, als ich es von dem Leben bei den Schwestern gewohnt
war.
Das Haus gehört zu der dortigen Abtei, welche von Deutschland gegründet wurde und dessen Abt noch immer ein Deutscher ist.

Ich habe hier ein eigenes Zimmer, der Boden ist gefliest und es gibt eigentlich immer fließendes Wasser (wenn auch „nur“ kaltes).

Das Krankenhaus, welches mit zur Abtei gehört, ist nur ca. 5 Minuten Gehweg von unserem Haus entfernt.

 

Jeden Morgen um 8 Uhr treffen sich die Ärzte zu einer Besprechung, die je nach vorgetragenen Fällen, 15-30 Minuten dauerte. Es wird dabei oft über spezielle Behandlungswege diskutiert und etwas Organisatorisches angekündigt.

Danach geht es täglich zur Visite. Bei der Visite bin ich meistens im Fachbereich der Gynäkologie und ab und zu auf der Frauen- oder Männerstation dabei. Die Ärzte sprechen dann mit jedem Patienten und verschreiben Medikamente.

Am spannendsten finde ich es immer auf der Geburtsstation, wo man bei den Geburten mithelfen kann und direkt dabei ist, wenn neues Leben das Licht der Welt erblickt.

Der Standard in dem Krankenhaus ist ganz gut, aber
noch lange nicht mit dem eines deutschen Krankenhauses zu vergleichen. Die werdenden Mütter liegen auf Metallbetten mit einer Gummimatte drauf. Als Unterlagen bringen sie ihre eigenen Stofftücher von zu Hause mit. Sie haben oft einen ganzen Korb mit diesen Tüchern dabei, denn am Ende werden die Neugeborenen auch in solche Tücher eingewickelt. Die Frauen sind während der Geburt ganz allein. Ihre Mütter, also die werdenden Omas, warten oft vor dem Krankenhaus.

Wenn eine Frau mit der Entbindung fertig ist, wird das Kind im Nachbarraum unter eine Wärmelampe gelegt. Die Frau kann es dann dort abholen, sobald sie aufstehen kann oder die Oma erfährt von der Geburt und holt das neue Familienmitglied zu sich.

Im Anschluss an die Visiten folgen im Normalfall Operationen, bei denen ich immer dabei sein darf. In der Gynäkologie handelt es sich meistens um Kaiserschnitte und Gebärmutterentnahmen.

Da man in Tansania natürlich an das Lebensmotto „Pole Pole“
(Langsam) gewöhnt ist, gibt es für die Ärzte dann erstmal eine Teepause von ca. 30 Minuten.

Nach der Pause gehen die Gynäkologen normalerweise (dh. solange keine weiteren Ops anliegen) in die außerklinische Praxis, wo sie ganz normale Sprechstunden abhalten. Dieser Teil ihrer Arbeit ähnelt einer ganz normalen Frauenarztpraxis, wo die Patienten untersucht werden (aufgrund von Unterleibsbeschwerden, Schwangerschaften oder Kontrolluntersuchungen).
Häufig wird auch ein Ultraschall gemacht, was ich immer total spannend finde.

Ich find diesen Tagesabschnitt immer sehr interessant,
denn die Ärzte nehmen sich stets genug Zeit, mir alles genau zu erklären. Man kommt oft auch sehr schnell auf einer persönlichen Ebene ins Gespräch.

Die Herzlichkeit und Einfachheit der Menschen im Umgang miteinerander kann man auch im Krankenhaus sehr spüren. Ich habe mich nach nur wenigen Tagen sehr willkommen gefühlt und jeder Mitarbeiter ist mir nicht nur hilfsbereit sondern auch interessiert und extrem freundlich begegnet.

 

Die Ärzte gehören eindeutig zur Bildungsschicht in Tansania. Sie sprechen fast alle gut Englisch, da sie auch in dieser Sprache studiert haben. Sie haben moderne Handys, gute Wohnungen oder Häuser, und kennen sich mit den
neusten Hollywood-Filmen oder aktuellsten amerikanischen Sängern aus.

Die meisten Ärzte sind zwischen 25 und 30 Jahren alt. Manche waren sogar schonmal in Europa und können
sich dadurch gut vorstellen, wo und wie ich aufgewachsen bin.

Wo meine Kiswahilikenntnisse aufhören kann ich mit ihnen Englisch sprechen und dadurch ist man gleich auf einer ganz anderen Kommunikationsebene.

An den Abenden treffe ich mich oft mit einigen von ihnen - dann schauen wir einen Film, oder wir fahren nach Songea, wo man in den Stoffstraßen herumschlendern und etwas Essen oder Trinken gehen kann.

Ich fühle mich in dieser Welt, die nochmal so ganz anders ist als auf den umliegenden Dörfern, sehr wohl.

 

Es ist gerade alles perfekt.

An den Vormittagen kann ich im Krankenhaus mitarbeiten, viele
spannende Dinge sehen und eine Menge lernen und an den Abenden unternehme ich regelmäßig etwas mit den anderen zwei Freiwilligen oder manchen Ärzten.

 

Ich konnte hier in Peramiho in der kurzen Zeit schon viele neue, interessante Menschen kennenlernen und neue Freundschaften knüpfen.


Wenn ich daran denke, dass meine Zeit in Tansania bald vorbei sein soll, dann werde ich sehr traurig.

 

Jetzt genieße ich aber erstmal noch die letzten Tage in meiner neuen zweiten Heimat!!!

 

Die Zeit

Sonntag, 19.05.2013

 

Die Zeit ist schon ein komisches Phänomen. Sie ist immer um einen herum, aber man kann sie nicht sehen, nicht greifen und oft auch nicht begreifen.

Es ist schon erstaunlich, wie die Zeit verfliegt. Ich bin jetzt schon 9 Monate in Tansania und mir bleiben nur noch 3 weitere Monate in diesem herrlichen Land, was mir täglich zeigt wie wertvoll und schön das Leben ist.

 

Die Regenzeit ist jetzt endgültig vorbei. Es regnet gar nicht mehr und die Natur verliert langsam ihre vielen verschiedenen grünen Farbtöne. An den Abenden und in der Nacht wird es für die Temperaturverhältnisse hier immer ziemlich frisch (ca. 12 ˚C), sodass Lea und ich sogar mit langer Schlafanzughose schlafen. Am Tag ist es dann aber weiterhin ziemlich warm, laut Internet liegt die Temperatur dann bei ca. 25 ˚C.

Ab und zu sieht man, wie die Menschen ihre Felder abbrennen, um die Erde für die nächste Anbauzeit wieder fruchtbar zu machen. Genau dies konnten wir nach unserer Ankunft im September letzten Jahres schon oft beobachten. Mir wird dann immer wieder bewusst, dass mein Jahr in Tansania schon bald vorbei ist. Der Jahreskreis schließt sich langsam wieder.

 

Lea und ich genießen unsere Zeit hier. Wir haben uns sehr an den Alltag und das Leben gewöhnt. Es hat zwar fast ein halbes Jahr gedauert, aber ich fühle mich hier sehr wohl und kann mir momentan nur schwer vorstellen bald wieder in das hektische deutsche Leben einzusteigen. Das Lebensmotto der meisten Tansanier lautet „Polepole“ (Langsam) und ich erwische mich immer mehr dabei, wie ich ihr Motto für mich übernehme und gelassener mit allen Dingen umgehe.

Ich genieße die vielen tollen Erlebnisse, die wir hier erleben, sehr. Da es mit der Sprache mittlerweile gut klappt, sind alltägliche Begegnungen mit Einheimischen immer wieder spannende Erfahrungen, wenn sie über ihr Leben und ihre Probleme sprechen.

Die Kindergruppen, die Lea und ich jeden Tag besuchen, laufen sehr gut. Viele Kinder kommen regelmäßig und es sind eindeutig kleine Fortschritte in ihrer Entwicklung zu erkennen. Während manche Kinder am Anfang noch sehr scheu gegenüber uns zwei Deutschen waren, kommen sie nun immer freudestrahlend angerannt, um uns zu begrüßen. Ich weiß jetzt schon, dass ich die vielen fröhlichen Kinder vermissen werde, die den Alltag mit ihrer kindlichen Freude und Dankbarkeit immer wieder erhellen.

 

 

Gebäudesegnung in Mshangano

Dienstag, 14.05.2013

 

Auf dem neuen Gelände unserer Schwestern in Mshangano (anderes Dorf in der Nähe von Songea) wurden am letzten Dienstag die Gebäude gesegnet und eingeweiht.

Der Erzbischof wurde feierlich empfangen und es gab einen Gottesdienst in einem geschmückten Raum. Der Chor von der dortigen Secondary School begleitete die Messe musikalisch. Es kamen außerdem viele Frauen aus den Frauengruppen von DMI, die vor und nach der Messe tanzten, sangen und dadurch für Stimmung sorgten.

Der Erzbischof ging auf dem Gelände herum und segnete jeden Raum.

Es gibt dort das Haus der Schwestern, einen Kindergarten, eine Secondary School, ein Trainings Center (in dem man Nähen, Frisieren und den Umgang mit Computern lernen kann) und ein Hostel für die Schüler, die weit weg wohnen.

Die Schwestern hatten den ganzen Morgen schon gekocht und nach der Segnung gab es für den Bischof, die indischen Gäste, die Novizinnen, die Angestellten von DMI und die Schwestern selbst ein leckeres Essen. Zur Ehrung des Bischofs wurden alle Köstlichkeiten aufgetischt, die die indische und die tansanische Küche zu bieten hat. Daran sieht man mal wieder, welche Bedeutung Hierachie in Tansania und Indien hat. Ich habe mich mittlerweile schon daran gewöhnt, dass Personen in einem hohen Amt extrem verehrt werden, aber selbst kann ich irgendwie nur schwer so eine Untergebenheit zeigen. Der Bischof, die Oberschwester und die indischen Gäste aßen in einem geschmückten Raum an einer festlich hergerichteten Tafel. Die Schwestern und die Novizinnen aßen seperat in angrenzenden Nebenräumen.

 

 

Erstkommunion in Tansania

Sonntag, 12.05.2013

 

Letzten Sonntag waren Lea und ich bei einer tansanischen Erstkommunion. Magreth, die mit den Schwestern und uns im Büro arbeitet, hatte uns zu der Erstkommunion von ihrem Sohn Joeli eingeladen. An diesem Tag bekamen 198 Kinder ihre erste heilige Kommunion. Sie trugen alle ihre Schuluniform und hatten einen Rosenkranz um. Die Kirche, eigentlich nur ein festlich geschmücktes Gebäude, war total voll. Es wurde gesungen, getanzt und gefeiert. Irgendwann hatte ich das Gefühl bei einer riesigen Feier zu sein und nicht bei einem Gottesdienst. Die feierliche Messe ging insgesamt 3,5 Stunden. Am Nachmittag wurde dann bei Magreth zu Hause gefeiert. Es wurde wieder viel getanzt und gesungen. Joeli trug einen ganz neuen Anzug, der ihm mehrere Nummern zu groß war und indem er wie ein Schluck Wasser hing, der aber dafür noch viele Jahre passen wird. Jeder, der ein Geschenk überreichen wollte, wurde namentlich aufgerufen, tanzte unter Jubel und Gesang der anderen Gäste auf Joeli zu, der auf einem Sessel im Innenhof saß, und übergab ihm sein Geschenk. Lea und mir gelang das Tanzen noch nicht so gut, aber Joeli freute sich glaube ich trotzdem. Es waren sehr viele Leute da – Bekannte, Verwandte, Freunde, Nachbarskinder und sogar 3 von unseren Schwestern kamen und überreichten ihr Geschenk. Zum Essen gab es Reis, Pilau (typisch gewürzter Reis), Hühnchen und Tomatensalat. Dies war für die Gäste im Vergleich zu dem sonst üblichen Ugali ein richtiges Festessen. Für Joeli war es ein ganz besonderer Tag und er war so überwältigt, dass er mehrmals sogar Tränen in den Augen hatte. Die Tansanier schaffen es mit ihrer lockeren und liebevollen Art einfach immer wieder, jeden Anlass zu einem großen, ausgelassenen Fest werden zu lassen.

 

 

Ausflug nach Chikukwe

05.05.2013 – 10.05.2013

 

Anfang Mai sind Lea und ich spontan in einen Bus gestiegen und haben Franziska und Julia (ebenfalls zwei INVIA-Freiwillige) in ihrem Projekt in Chikukwe besucht. Chikukwe ist ein kleines Dorf in der Nähe von Masasi, was ca. 500 km östlich von Songea liegt. Die beiden Mädels leben dort bei einem Schwesternorden, der von polnischen Schwestern gegründet wurde und noch immer unter polnischer Leitung steht. Sie arbeiten hauptsächlich in einem Kindergarten. Die Fahrt nach Chikukwe war sehr anstrengend. Die unbefestigte Straße war durch die Regenzeit noch sehr ausgespült und wir kamen nur sehr langsam voran, aber zum Glück blieben wir nicht stecken. Es dauert 15 Stunden, bis wir wirklich in Chikukwe ankamen. Trotzdem muss ich sagen, dass sich 15 Stunden deutlich mehr anhört, als es sich anfühlte. Ich glaube, dass ich mich schon recht gut an die tansanische Auffassung von Zeit gewöhnt habe – bloß keine Hektik! Es war sehr interessant den Alltag der zwei Mädels in Chikukwe kennenzulernen. In ihrem Kindergarten unterrichten sie jeden Tag ein bisschen Englisch und helfen den Schwestern bei der Betreuung der Kinder. Im Gegensatz zu uns hier in Songea haben sie dort eine feste Kindergruppe, die sie jeden Tag wiedersehen und zu der sie eine ziemlich feste Bindung aufbauen können. Dies bringt die Vorteile, dass man die Kinder und ihre Lebenshintergründe noch besser kennenlernen kann. Es schränkt aber meiner Meinung nach auch die eigene Sichtweise ein bisschen ein, wenn man immer nur in der gleichen Umgebung arbeitet. Ich bin sehr froh, dass wir hier in Songea rauskommen, mit Kindern, Frauen und Männern sprechen und dadurch viele Menschen aus den verschiedensten Lebensumständen direkt kennenlernen. Unsere Freiheit, die Lea und ich hier haben und die am Anfang auch ein bisschen schwer zu genießen war, da man Leben, Kultur und Sprache noch überhaupt nicht verstand, ist einfach super. Wir sind ungebunden und können dieses wunderschöne Land und die Kultur ganz allein erforschen. Die Kinder in dem Kindergarten in Chikukwe waren natürlich alle total niedlich und schon nach 3 Tagen ist es mir schwergefallen, sie zu verabschieden. Es war sehr interessant das Arbeitsumfeld von zwei anderen Freiwilligen, mit denen wir ja schon unser Auswahl-, Vorbereitungs- und Zwischenseminar verbracht haben, kennenzulernen und sich mal wieder auszutauschen. Die Rückfaht nach Songea war dann nicht besser als die Hinfahrt und als wir gegen Mittagnacht wieder zu Hause ankamen, fiel ich extrem müde ins Bett und war glücklich, dass wir mal wieder etwas Tolles erlebt haben.

 

 

Frohe Ostern !!!

Montag, 01.04.2013

 

Zuerst einmal wünsche ich allen Bloglesern ein frohes Osterfest!!

Dieses Jahr hatte ich die Chance, einmal ein ganz anderes Ostern mitzuerleben.

Am Ostersamstag waren Lea und ich bei einer Mama im Dorf. Sie hat uns gezeigt, wie man „Mandazi“ bäckt. Die ist ein hier sehr verbreitetes Gebäck, was an Quarkbällchen ohne Quark erinnert. Am Nachmittag haben wir dann selbst noch einen schokoladigen Osterkuchen für uns und die Schwestern gebacken, bevor es in die Osternacht ging.

Die Messe dauerte 4 Stunden und ging von 20 Uhr bis Mitternacht. Da ich noch immer ein paar Probleme habe kompliziertere Gedanken zusammenhängend auf Kiswahili zu verstehen, war es um diese Tageszeit ein bisschen ermüdend der langen Predigt des Pfarrers zuzuhören.

Nachdem wir wieder „zu Hause“ angekommen waren, haben wir mit den Schwestern und den Novizinnen unter herrlichem afrikanischen Sternenhimmel noch eine Kleinigkeit gegessen.

Den Ostersonntag gestalteten Lea und ich uns ganz entspannt. Am Morgen frühstückten wir in aller Ruhe und am Nachmittag unternahmen wir einen kleinen Osterspaziergang.

Während in Deutschland das Osterfest bei den meisten wohl mit Schnee und Kälte verbunden war, hatten wir hier im Süden herrliches Wetter.

Es lag ein Geruch in der Luft, der Lea und mich stark an einen schönen Hochsommertag in Deutschland erinnerte. Wir hatten über 30 ˚C, der hellblaue Himmel zeigte vereinzelt ein paar weiße Wölkchen und die Sonne strahlte den ganzen Tag auf uns herunter. Es wehte ein leichter Wind, der sehr erfrischend wirkte.

Es war wirklich ein sehr schöner Tag.

 

Leider haben wir nicht immer so schönes Wetter wie am Osterwochenende.

Jetzt nähert die Regenzeit sich langsam dem Ende, aber den ganzen März über hat es fast täglich geregnet und ab und zu sogar sehr stark gewittert. An manchen Tagen

waren wir dann morgens komplett von Nebel umgeben. Es war schon ein bisschen gespenstisch.

Der Wechsel zwischen starken Regengüssen und Sonnenschein bekommt der Natur natürlich sehr gut. Der Mais, welcher auf jeder freien Fläche angebaut wurde, ist teilweise schon fast doppelt so hoch wie ich selbst.

Um ein bisschen Abwechslung in unseren Speiseplan zu bringen, der normalerweise aus Reis mit Sauce besteht, kaufen wir uns jetzt abends sehr oft gekochten oder gegrillten Mais, der an einfachen Ständen am Straßenrand verkauft wird.

Als wir vor kurzem „Mama Doro“, eine Mama in einem Dorf in der Nähe besucht haben, hat sie an ihrer Feuerstelle auch Mais für uns gegrillt. Wir haben mit ihr in ihrer tansanischen Küche gesessen, ein bisschen geredet und Mais gegessen. Das war ein tolles Erlebnis, was uns mal wieder den normalen tansanischen Alltag vor Augen geführt hat.

 

Im Monat März sind wir relativ selten zu den Kindern auf die Dörfer gefahren. Dies hat zum Einen damit zu tun, dass die Kinder bei Regen nicht zu den Gruppentreffen kommen, zum Anderen lag es aber auch daran, dass die Schwestern oft nicht wollten, dass wir in die Dörfer fahren.

Es hat in der letzten Zeit verstärkt Unruhen zwischen Muslimen und Christen gegeben, sodass die Schwestern um unsere Sicherheit besorgt waren.

Wir haben von dem ganzen Trubel nichts mitbekommen. Die Unruhen konzentrierten sich vor allem auf die Ostküste und die Insel Sansibar.

Hier im Süden des Landes war alles wie immer und es gab keine öffentlichen Auseinandersetzungen, sodass Lea und ich es nicht immer ganz nachvollziehen konnten, dass wir Tag für Tag im Büro herumsitzen sollten, anstatt mit den Kindern zu arbeiten.

Es ist schon ein bisschen erstaunlich, wie sehr man hier von der globalen Welt abgeschnitten ist und wie wenig man mitbekommt. Wir haben keinen Fernseher, kein Radio und keine grenzenlose Internetverbindung. Dass ein neuer Papst gewählt wurde, haben wir auch nur durch Zufall mitbekommen.

Mir scheint es manchmal so, als würden wir hier in unserer eigenen kleinen Welt leben – mit den Kindern aus den Kindergruppen, den Schwestern, der herrlichen Natur und ausreichend Zeit für unsere Gedanken. Die „wirkliche“ Welt, so wie wir sie aus Deutschland kennen, scheint unendlich weit weg.

 

Unsere Arbeit trägt trotz allem Früchte. Die Kinder kommen (solange es nicht regnet und wir nicht absagen müssen) regelmäßig zu den Treffen und haben immer mehr Freude am Singen, Malen und Lernen. Sie vertrauen uns immer mehr und sehen uns als ihre Freunde und nicht nur als strenge Lehrer aus Europa. Sie haben verstanden, dass wir sie nicht schlagen, wie die einheimischen Lehrer, und dass es bei kreativen Aufgaben kein richtig oder falsch gibt.

Die Schwestern verlangen neuerdings von uns, dass wir über jedes einzelne Kind einen kurzen Bericht schreiben, wo wir erfahren können, aus welchen Verhältnissen das Kind kommt, wie es lebt und wie es die Kindergruppe wahrnimmt. Dadurch soll am Ende in Erfahrung gebracht werden, wie effektiv die Arbeit mit den Kindern wirklich ist und was man verbessern könnte.

Lea und ich waren sehr erstaunt, als wir merkten, dass die meisten der befragten Kinder gar nicht bei ihren Eltern wohnen, sondern bei Verwandten – meistens bei den Großeltern.

Die Eltern leben dann recht weit weg um zu arbeiten und können wahrscheinlich nicht allein für ihre Kinder sorgen, sodass die ganze Verwandtschaft zusammen an einem Strang ziehen muss. So kommt es auch vor, dass Cousins und Cousinen zusammen bei ihren Großeltern aufwachsen und ihre Eltern nur selten sehen. Das Wort „Großfamilie“ bekommt hier eine ganz andere Bedeutung und ist weit entfernt von unserem deutschen Verständnis von einer typischen Familie.

 

 

Halbzeit

Dienstag, 26.02.2013

 

Heute ist “Bergfest”. Ich bin jetzt genau ein halbes Jahr in Tansania und damit ist die Hälfte meines Freiwilligendienstes nun um.

 

Manchmal denke ich, dass ich jeden Moment aus diesem Traum aufwachen könnte und mich wieder in meinem „alten“ Leben in Deutschland befinde.

Ja, ich glaube wirklich, dass es zwei komplett unterschiedliche Welten und damit komplett verschiedene Lebensweisen sind, so wie Traum und Wirklichkeit. Man weiß, dass es den jeweils anderen Teil des Lebens gibt und sie gehören auch irgendwie zusammen – trotzdem existieren sie normalerweise mehr nebeneinander, als wirklich zusammen.

Ich möchte damit nicht sagen, dass hier alles wie in einem märchenhaften Traum läuft. Es ist eher wie ein sehr bewegter Traum, mit sehr vielen Höhen und Tiefen.

Wenn ich auf das letzte halbe Jahr zurückblicke, dann fällt mir auf, durch wie viele Täler und Höhen ich gewandert bin. Manchmal war es sehr anstrengend mit der neuen Kultur klarzukommen und sich mit bestimmten Unterschieden im gesellschaftlichen Miteinander und dem alltäglichen Verhalten abzufinden.

Die Glücksmomente, die ich hier ebenfalls erleben durfte, sind es die Mühe allerdings wert.

Es ist ein tolles Gefühl in strahlende Kinderaugen zu blicken, wenn man mit ihnen spielt und sich mit ihnen beschäftigt. Außerdem ist es schön auch mal ein bisschen Zeit zum Nachdenken zu haben und nicht immer vom meist stressigen deutschen Alltag gejagt zu werden. Ich denke, dass es gut ist vor dem Studium noch ein bisschen Zeit für sich selbst zu haben.

Wenn ich daran denke, was sich in dem letzten Halbjahr am meisten verändert hat, so ist es meine Einstellung zu einem Freiwilligendienst. Ich muss sagen, dass ich mir das Arbeiten als Freiwilliger vor einem halben Jahr ein bisschen anders vorgestellt habe. Ich hätte nie gedacht, dass man so extrem viel Freizeit hat. Das Wort „Freizeit“ hört sich in den Ohren eines arbeitenden Deutschen sicherlich wie eine Oase an, aber hier bedeutet es im Normalfall wirklich einfach nichts zu tun, außer zu lesen, DVDs zu gucken, oder in der Natur spazieren zu gehen. Es ist ab und zu sehr schön Freizeit zu haben, aber wenn die Freizeit zum Alltag wird, dann wünscht man sich halt manchmal etwas anders.

Für mich persönlich ist es hier wirklich wie in einem tollen Traum, denn ich kann eigentlich alles machen was ich will. Bei der Gestaltung der Kindergruppen und beim Unterricht in den Schulen haben Lea und ich total freie Hand, wir können uns weitgehend aussuchen welches Dorf wir besuchen und wie lange wir dann dort bleiben.

Entwicklungshilfe ist unsere Arbeit in meinen Augen allerdings nicht zu nennen. Die Kinder freuen sich zwar immer riesig wenn wir mit ihnen spielen und ihnen Englisch beibringen, aber es ist keine wirkliche Hilfe für die Menschen im allgemeinen Sinn. Ich wünschte mir manchmal, dass ich schon eine Ausbildung hätte und dadurch mehr Wissen mitbringen würde, wie ich bestimmte Dinge (Unterrichtsmethoden, Projekte zum Thema Gesundheit etc.) angehen könnte, um mehr Effektivität zu erzielen.

Deshalb kommt es mir manchmal so vor, dass ich mich mehr auf einer Art Selbstfindungstrip befinde und am meisten von dem Jahr hier profitiere. Ich sehe neue Kulturen und Landschaften, lerne eine neue Sprache ein bisschen besser kennen und werde dadurch (hoffentlich) reifer und unabhängiger von vorgefertigten Idealen der westlichen Welt.

Für mich ist ein solches Jahr das Beste, was mir passieren konnte und ich bin noch immer sehr froh, dass ich die Entscheidung dazu getroffen habe, aber manchmal ärgert es mich, dass die Menschen hier so wenig davon haben und die deutsche Regierung so massenweise Geld in Freiwillige auf dem Selbstfindungstrip pumpt und sich dann auch noch mit dem Wort „Entwicklungshilfe“ rühmt.

Es gibt viele Dinge, die schon eher in diese Richtung gehen würde, wie z.B. ausgebildete Fachkräfte in Entwicklungsländer zu schicken, oder hilfsbedürftige Menschen für einige Zeit nach Deutschland zu holen, um selbst neue Dinge zu erlernen.

Ich kenne außerdem relativ viele Freiwillige, die ihr Jahr aus persönlichen Problemen abgebrochen haben – für sie ging der Selbstfindungstrip also wieder zurück in die Heimat.

Ich stehe nun (nach einem halben Jahr) dem Programm „weltwärts“ weitaus kritischer gegenüber. Es ist ganz sicher nicht sinnlos und ohne ein solches Programm wäre ich jetzt nicht hier, aber manchmal würde ich mir mehr direkte Hilfe vor Ort wünschen, die den Menschen näher geht als es unsere Arbeit tut.

 

Jetzt ist aber erstmal Schluss mit der theoretischen Philosophie über den Sinn von „weltwärts“.

In der letzten Zeit ist wieder eine Menge passiert.

Hier ist gerade Regenzeit und es regnet fast jeden Abend für ein paar Stunden. Für Lea und mich bedeutet dies, dass wir dann kein Internet haben und der Strom auch ab und zu ausfällt.

Die Natur ist herrlich grün und der Mais wächst den Menschen wörtlich über die Köpfe.

Die Kindergruppen laufen sehr gut. Die Kinder kommen mittlerweile eigentlich überall regelmäßig und freuen sich uns zu sehen. Wir versuchen jetzt die Nachmittag mehr durch Musik zu gestalten. Das neue Lieblingsspiel der Kinder ist „RuckiZucki“, bei dem alle - egal ob groß oder klein - dabei sein können. Während unserem letzten großen Urlaub haben Lea und ich in Dar es Salaam eine Gitarre gekauft. Die Kinder haben riesige Augen gemacht und waren sehr begeistert.

Ansonsten genießen wir den tansanischen Alltag. Wir bummeln sehr gern durch die Stadt und schauen uns die vielen bunten Stoffe an, die es dort überall zu kaufen gibt. Wenn wir einen schönen Stoff gefunden haben, dann gehen wir zum Schneider und lassen uns ein Kleid, einen Rock, oder eine Umhängetasche schneidern. Für ein Teil zahlt man ca. 5000 tansanische Schilling, was ca. einem Preis von 2,50 Euro entspricht. Es ist einfach herrlich!!!

In der letzten Zeit kam ab und zu gar kein Wasser mehr aus der Leitung und wir mussten zum Brunnen laufen und Eimer schleppen. Leider können wir die Eimer noch nicht so elegant auf den Köpften transportieren wie die einheimischen Frauen.

An den Abenden schauen Lea und ich sehr häufig einen Film an. Wir haben uns jetzt irgendwie den Staffeln der amerikanischen Serie „Grey’s Anatomy“ verschrieben und kommen nicht mehr davon los.

 

Wir haben uns, wie man sieht, einen normalen Arbeitsalltag erschaffen, der nach dem afrikanischen Prinzip „Pole Pole“ ( „Langsam“) funktioniert und uns viele Freiräume lässt.

Die Schwestern im Büro geben uns dabei total freie Hand, was wir wirklich genießen. Auch die Schwestern auf dem Gelände sind sehr viel freundlicher und fast schon liebevoll geworden. Sie lachen mit uns und es entsteht ab und zu sogar mal ein nettes Gespräch.

 

Ich stehe nun also auf dem Gipfel des Berges „FSJ“ und betrachte den hinter mir liegenden Aufstieg kritisch, aber dennoch positiv. Auch wenn ich froh bin endlich oben angekommen zu sein, so habe ich den Aufstieg doch genossen und konnte eine Menge neue Erfahrungen sammeln.

 

Wanderung durch die Berge Tansanias

 22.02.2013 – 25.02.2013

 

Am letzten Wochenende haben sich Lea und ich mit 5 weiteren deutschen Freiwilligen auf Wanderschaft begeben.

Wir sind am Freitagmorgen mit dem Bus nach Mbinga gefahren.

Wir, das sind Lea und ich, sowie Kilian und Hugo aus Peramiho (einem Nachbarort von Songea), die dort auf einer Farm arbeiten.

In Mbinga haben wir uns dann mit Julia, Anna und Ingo getroffen, die dort ihre Einsatzstellen haben. Als wir dann vollzählig waren, ging es mit einem Jeep nach Litembo. Dies ist ein kleiner Ort, der mitten in den Bergen liegt. Dort gibt es 4 weitere Freiwillige, bei denen wir einen kleinen Zwischenstopp einlegten, die uns allerdings nicht begleiteten.

Von Litembo aus ging es dann zu Fuß auf die erste kleine Wanderstrecke. Wir wanderten ungefähr drei Stunden, bis zu dem kleinen Bergdorf „Maguu“, wo wir ins Guesthouse einkehrten. Am Abend genossen wir den Untergang der afrikanischen Sonne hinter den Bergen und stärkten uns im Dorf mit dem typischen Landesgericht „Wali na Maharage“ (Reis mit Bohnen).

Am Samstag brachen wir schon um 5 Uhr morgens bei absoluter Dunkelheit auf. Der Mond war nicht da, um uns den Weg zu leuchten, und Straßenlaternen gibt es natürlich auch nicht – also waren wir komplett auf unsere Stirn- und Taschenlampen angewiesen.

Noch ein bisschen verschlafen trotteten wir in der Dunkelheit schweigend nebeneinander her und genossen die frische Morgenluft ganz im Stillen. Nachdem die Sonne langsam aufgegangen war und wir unsere Lampen wieder wegpacken konnten, hatten wir mittlerweile schon die nächsten Berggipfel erreicht und machen eine Frühstückspause. Man hatte von dort einen herrlichen Ausblick auf den Lake Nyasa (der ja unser Endziel war) und die davor liegende Ebene. Die Luft war frisch und in den höchsten Berggipfeln hingen noch dünne Wolkenschleier.

Der Abstieg gestaltete sich ein bisschen schwieriger als gedacht. Der Weg war unbefestigt und sehr steil, sodass einige von uns sehr oft ausrutschten. Uns blieben die Münder offen stehen, als wir Einheimische in einem wahnsinnigen Eiltempo und mit Flipflops an den Füßen an uns vorbei laufen sahen. Diese Menschen gehen solche Wege bestimmt täglich. Es ist ihre Heimat. Beeindruckend!

Uns ist zum Glück nichts weiter passiert und wir sind alle wohlbehalten am Fuße der Bergkette angekommen.

Ein freundlicher Einheimischer zeigte uns dann den Weg durch hohe Maisfelder, den wir sonst bestimmt nicht gefunden hätten. Ohne diesen hilfsbereiten Mann wären wir wahrscheinlich erstmal sehr ratlos gewesen. Es ist immer wieder toll, wie gastfreundlich und zuvorkommend die Einheimischen hier sind. Der Weg führte über wackelige Holzbrücken und sogar durch einen Fluss, durch den wir ohne die Hilfe des Mannes bestimmt nicht gegangen wären.

Bei einem anderen Einheimischen, der uns zu sich nach Hause einlud, machten wir eine kurze Pause und bekamen Bananen, Ananas und Zuckerrohr zur Stärkung.

Am Nachmittag (ca. 3 Uhr) kamen wir dann an unserem Zielort „Liuli“ an. Das Dorf liegt direkt am Lake Nyasa. Die Jungs hatten dort einen einheimischen Bekannten, der direkt am See ein paar Strohhütten besitzt. Wir schliefen in einem Zelt, was er extra für uns aufgebaut hatte.

Der See diente uns als willkommene Dusche. Das Wasser war herrlich erfrischend. Zum Abendbrot gab es Fisch, der über dem Lagerfeuer gegrillt wurde, sowie Kochbananen.

Es war ein wunderschöner Tag, an dem wir eine Menge gesehen und erlebt, und eine recht weite Stecke hinter uns gebracht hatten.

Wir fielen sehr müde auf unsere Matratzen.

Leider wurden wir in der Mitte der Nacht durch den starken Regen geweckt. Unser Zelt war leider nicht dicht und es wurde fast alles nass. Zusammengekauert lagen wir also auf den noch trockenen Flecken und versuchten trotzdem ein bisschen zu schlafen.

Den Sonntag nutzten wir dann zum Entspannen. Wir lagen faul in der Sonne, gingen im See schwimmen, aßen mittags Reis mit Bohnen im Dorf, spielten Karten und schauten uns in der Abenddämmerung Krokodile an, die an einer Flussmündung in der Nähe wohnen. Es war schon ein bisschen abenteuerlich.

Abends gab es dann wieder gegrillten Fisch und ein gemütliches Lagerfeuer.

Am Montagmorgen regnete es erneut in Strömen und wir mussten in aller Frühe ins Dorf zur Busstation laufen. Durchnässt und müde saßen wir dann um 6 Uhr im Bus und fuhren zurück nach Mbinga. Der Bus blieb kurz vor Mbinga stecken, weil ein Holztransporter auf der matschigen, unbefestigten Sandpiste den Weg versperrte. Wir zogen uns also wieder unsere Wanderschuhe an und gingen die letzten Kilometer zu Fuß. In Mbinga verabschiedeten wir uns von den drei Freiwillgen, die dort wohnen und fuhren zurück nach Songea.

Mit Blasen an den Füßen und ziemlich müde kamen wir dann wieder zu Hause an.

Ich war trotzdem sehr glücklich über alles, was wir an diesem Wochenende erlebt haben. Wir haben eine Menge gesehen, haben viel erlebt und waren eine tolle Gruppe...

Es war ein einmaliges Erlebnis!!!!

 

Zwischenseminar

07.01.2013 – 14.01.2013

 

In der Woche nach unserem Sansibarurlaub stand schon das Zwischenseminar an.

 

In Bagamoyo, nördlich von Dar es Salaam, trafen wir uns mit vielen anderen Freiwilligen, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr gerade in Tansania, Kenia oder Uganda absolvieren.

Aus Deutschland kamen 3 Betreuer, die das Seminar leiteten.

 

Es wurde über viele Themen und Probleme gesprochen und diskutiert, die uns Freiwillige beschäftigen.

Auf dem Plan stand z. B. „Leben in einer religiösen Einrichtung- in wie weit muss ich mich anpassen?“ , „Kontakt nach Deutschland“, „Umgang mit Armut und Gewalt“ oder auch die Frage nach dem Sinn unseres Jahres in einem Entwicklungsland.

Es war sehr interessant mit anderen Freiwilligen in den Austausch zu treten und zu sehen, dass es überall ähnliche Schwierigkeiten mit Kulturunterschieden und Anpassung gibt.

Durch Einzelgespräche mit den Betreuern oder Diskussionen in der Gruppe habe ich neue Motivation bekommen und freue mich nun auf die kommenden Monate in Tansania.

 

 

Sansibarurlaub

29.12.2012 – 07.01.2013

 

Da die Schulen über Weihnachten und Silvester geschlossen waren, haben wir die Zeit für einen kleinen Urlaub auf Sansibar genutzt, um mal richtig zu entspannen.

 

Kurz nach Weihnachten sind Lea und ich nach Dar es Salaam aufgebrochen, wo wir uns mit 4 anderen Freiwilligen von unserer Entsendeorganisation IN VIA getroffen haben.

Wir sind zusammen mit der Fähre nach Sansibar gefahren und haben dort an der Ostküste im Hostel „Mustafa`s Place“ gewohnt.

Die Unterkunft war einfach, aber ordentlich und lag direkt am Meer. Es war wirklich traumhaft schön.

 

In nur kurzer Zeit sind wir vom Freiwilligen zum Touristen geworden und in eine ganz andere Welt eingetaucht. Dies war schon irgendwie ein komisches Gefühl.

Wir wurde fast nur noch auf Englisch angesprochen und auch die Kleiderordnung (knie- und schulternbedeckt) interessierte keinen mehr so richtig. Es war erstaunlich, wie unterschiedlich das Bild ist, welches man als Tourist von Tansania bekommt, im Vergleich zu dem Leben hier in Songea.

Es sind zwei komplett andere Seiten von ein und demselben Land.

Wir sind und bleiben im Herzen allerdings Europäer und gewöhnten uns recht schnell wieder an unsere Rolle als weißer Tourist, zu Gast in einem afrikanischen Land.

 

Der weiße Sand unter unseren Füßen, das türkisblaue Wasser und die vielen Palmen, vermittelten zu jeder Zeit ein tolles Urlaubsgefühl. Die Sonne machte die Bilderbuchlandschaft noch perfekt.

Wir waren Schnorcheln, haben Delfine gesehen und sind durch die engen Gassen von Stonetown geschlendert.

 

Es war traumhaft schön.

 

Weihnachten verbindet Kulturen

Mittwoch, 26.12.2012

 

Weihnachten hier in Songea zu verbringen, war ein Erlebnis der ganz besonderen Art.

 

Am 22.12. haben Lea und ich schon unser Weihnachtsgeschenk von den Schwestern bekommen – ein dunkelblauer Stoff.

Sie haben ihn uns schon eher geschenkt, da wir dadurch noch Zeit hatten, uns Kleider für die Weihnachtsmesse nähen zu lassen.

Zum Glück fanden wir in der Stadt noch einen Schneider, der uns die Stoffe in weniger als 24 Stunden in schöne Kleider verwandelte.

 

Am 24.12. dekorierten wir am Vormittag unser Haus und das Schwesternhaus. Um 20 Uhr begann die Weihnachtsmesse in der Kirche hier in Ruhuwiko. Dort war eine Krippe aufgebaut und tansanische Kinder spielten ein kleines Krippenspiel.

Als wir gegen 23 Uhr wieder zurück gekommen sind, wurde gesungen, gegessen und viel getanzt. Die Schwestern und die Novizinnen waren super gut gelaunt.

Jeder hat gelacht und Späße gemacht, was wir gerade von manchen bestimmten Schwestern bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht gewöhnt waren.

Es war wirklich ein tolles Erlebnis.

Danach zogen sich Lea und ich noch in unser Haus zurück. Wir zündeten unseren Adventskranz an, öffneten eine Flasche Wein, stellten einen Teller Plätzchen (welche wir vor wenigen Tagen selbst gebacken hatten) in die Mitte und ließen es uns in gemütlicher Atmosphere gut gehen.

 

An diesem Abend konnten wir Weihnachten in drei verschiedenen Kulturkreisen miterleben.

Während der Weihnachtsmesse tauchten wir voll und ganz in die laute und bunte tansanische Kultur ab.

Das Feiern mit den Schwestern hatte dagegen einen etwas kitschigen indischen Beigeschmack mit Bollywood- Musik etc. und der gemütliche Ausklang mit Wein, Plätzchen und Bescherung, den Lea und ich uns am Ende noch gönnten, war typisch deutsch.

 

Morgen fahren Lea und ich nach Dar es Salaam, wo wir uns mit 4 anderen Freiwilligen von IN VIA treffen.

Zusammen werden wir dann bis zum 7. Januar auf Sansibar Urlaub machen und dort auch Silverster feiern.

Nach unserem Urlaub geht es dann direkt nach Bagamoyo (an der Küste), wo unser Zwischenseminar, welches von Deutschland aus organisiert wird, stattfindet.

Wir freuen uns und sind gespannt.

 

Ich wünsche allen Bloglesern nochmal ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

 

Vorweihnachtszeit

Sonntag, 16.12.2012

 

Weihnachten rückt immer näher.

Trotz der sommerlichen Temperaturen gibt es einige Dinge, die einfach zu Weihnachten dazu gehören und auch hier nicht fehlen dürfen.

Lea und ich fertigen ab und zu Weihnachtssterne aus Papier an, haben am letzten Wochenende Plätzchen nach deutschem Rezept gebacken und uns sogar einen eigenen kleinen Adventskranz gebastelt. Dazu hören wir gelegentlich typische Weihnachtsmusik und haben dadurch wenigstens ein bisschen das Gefühl, dass das Fest der Liebe wirklich vor der Tür steht.

 

In der letzten Woche gab es in zwei Dörfern in der Nähe eine Weihnachtsfeier für die Frauen und Kinder.

Mit den Kindern haben Lea und ich englische Weihnachtslieder und ein kleines Krippenspiel auf Kiswahili vorbereitet. Es hat Spaß gemacht mit den Kindern zu singen und zu tanzen.

Bei einer der Feiern habe ich von den Schwestern kurzerhand ein Kostüm bekommen und durfte Weihnachtsmann spielen. Es war wirklich lustig (für die Kinder ebenso wie für mich selbst) und ich werde dieses Erlebnis bestimmt nicht so schnell vergessen.

 

Als besonderer Gast war ein Pastor aus Songea eingeladen. Pater Camillus T. Haule ist ein toller Mensch. Er ist immer lustig und seine Wort, die er an die Kinder und Frauen gerichtet hat waren nah am Leben und für jeden verständlich.

Zu unserer Verwunderung konnte er fließend italiensch und sogar ein bisschen deutsch sprechen. Lea und ich haben uns eine Weile mit ihm unterhalten und herausgefunden, dass er in Rom studiert und auch einige Zeit in Saarbrücken verbracht hat. Es war sehr interessant mit ihm über Kulturunterschiede und das Leben in Tansania zu sprechen.

Er kommt aus einem ganz kleinen Dorf in der Nähe von Songea.

Nach der zweiten Weihnachtsfeier hat er Lea, mich und zwei der Schwestern in seinen Jeep gepackt und ist mit uns zu seinem Geburtsort gefahren. Wir brauchten ca. 45 Minuten bis wir dort ankamen.

Die Fahrt dorthin führte auf sandigen Wegen durch die Berge, die Songea umgeben. Man hat dort einen herrlichen, weiten Ausblick. Die Natur war atemberaubend. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Lea und ich diese Gegend immer für unbewohnt gehalten, aber da hatten wir uns gründlich getäuscht.

Sein Geburtsort ist ein ganz kleines Dorf, was mitten im Nirgendwo liegt. Es gibt kein Strom, kein Handyempfang und einen Fluss als einzige Wasserquelle.

Als wir dort ankamen rannten Kinder aus den mit Stroh bedeckten Lehmhütten und riefen ganz aufgebracht „Auto, Auto“, denn wahrscheinlich kommt an diesem abgelegenen Fleckchen Erde nur selten ein Fahrzeug vorbei.

In dem Dorf lernten wir die Familie vom Pastor kennen. Seine Mama ist eine sehr alte, aber noch immer relativ fit wirkende Frau. Ihr genaues Alter weiß keiner so genau, denn ihr Geburtsdatum wurde nie irgendwo festgehalten, aber sie muss angeblich schon ein ganzes Stück über 90 Jahre alt sein. Uns wurde erzählt, dass sie bis zum letzten Jahr noch auf dem Feld gearbeitet hat. Es war einfach unglaublich.

Dieser Ausflug war für Lea und mich eine Art Kultursafari der ganz besonderen Art und erinnerte uns an verschiedene Filme, die uns das „typische Afrika“ zeigen.

 

Jetzt ist es nur noch eine Woche bis zum Weihnachtsfest und ich bin sehr gespannt was mich hier wohl erwarten wird, denn mit Sicherheit wird es ganz anderes als ich es gewohnt bin.

Ich wünsche meiner Familie, meinen Verwandten, Freunden, Bekannten und Förderern schonmal ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest.

Ich werde ganz fest an euch denken und möchte mich an dieser Stelle nochmal für die Unterstützung bedanken. Es ist wirklich sehr wertvoll zu wissen, dass man eine Familie und Freunde hat, die an einen denken und sich für seine Erlebnisse und Berichte interessieren.

Danke und frohe Weihnachten an alle!!!

 

 

Drei Monate in Tansania

Montag, 26.11.2012

 

Nach drei Monaten in Tansania bin ich endlich richtig angekommen.

Ich muss sagen, dass ich mich hier jetzt wohler fühle und den anfänglichen Kulturschock überwunden habe. Wir können uns immer besser verständigen, was auch dazu beiträgt, dass das Leben hier ein bisschen leichter wird.

 

Unser Alltag bleibt weiterhin der gleiche. Jeden Morgen unterrichten wir die „Formation Girls“ in Englisch und fahren anschließend mit einem Daladala in die Stadt zum Büro. Dort unterhalten wir uns mit den Angstellten, lernen ein bisschen Kiswahili, oder bereiten Spiele und Lieder für die Kinderparlamente vor. Dann fahren wir meistens in eine Grundschule, um Englisch in verschiedenen Klassen zu unterrichten. Mittags essen wir dann im Büro und fahren danach in die Dörfer, um uns mit den Kindergruppen zu treffen.

Wir kommen täglich zwischen 4 und 5 Uhr wieder zurück zu unserem Haus.

Unsere Freizeit gestalten wir immer flexibel und je nach Laune. Wir unterhalten uns mit den Mädels auf dem Gelände, lesen, schauen ab und zu mal eine DVD oder sitzen mit unseren Laptops draußen und nehmen über das Internet Verbindung nach Deutschland auf.

Manchmal bin ich auch schon ein bisschen joggen gegangen. Die Aussicht von den angrenzenden kleinen Hügeln ist einfach wunderbar. Man kann Meilen weit sehen und ist mitten in der Natur.

Nachdem unsere Köchin „Mama Anna“ mir aber gesagt hat, dass es zu gefährlich sei allein durch die anliegenden kleinen Dörfer zu laufen, habe ich es seitdem unterlassen

 

Mit den Schwestern verstehen wir uns mittlerweile auch besser. Wir haben uns an ihre Kultur und ihre Lebensweise gewöhnt und es akzeptiert, dass wir eher bei ihnen, als wirklich mit ihnen leben.

Es kommt auch mittlerweile häufiger zu lockeren Gesprächen zwischen uns und manchen Schwestern.

 

Auch an das Haus, in welches wir vor ca. einem Monat gezogen sind, haben wir uns gewöhnt. Dass die Schwestern jeden Morgen um 5 Uhr an der Tür klopfen, um in die Vorratskammer zu kommen, ist schon normal.

Ich glaube, dass alles immer eine Sache der Gewohnheit ist.

 

Die tansanische Kultur fasziniert mich noch immer. Jeden Tag sieht man Dinge, die man sich in Deutschland gar nicht so richtig vorstellen kann.

Eine einzige Fahrt mit dem Daladala kann zum Erlebnis werden. Man trifft z.B. auf einen sehr alten Opa mit einem Stock, der es gerade so schafft einzusteigen . Man sieht Menschen mit Krankheiten, Hautausschlag oder Behinderungen, die man in Deutschland kaum auf der Straße sieht. Man sieht junge Frauen mit ihren Babys. Sie tragen ihre Kinder meist in bunten Stoffen, die als eine Art Tragetuch dienen. Es ist hier ganz normal, dass man sobald das Baby schreit die Brust hervorholt und stillt, dabei ist es egal wo man gerade ist.

Bei einer einzigen Busfahrt hat man das Gefühl mitten im Leben angekommen zu sein.

 

 

Alltag

Samstag, 10.11.2012

 

Vor einer Woche sind Lea und ich in eine anderes Haus gezogen. Wir sind dort näher bei den Schwestern und haben komplett getrennte Räume.

Am Anfang fanden wir es dort überhaupt nicht toll, aber langsam gewöhnen wir uns daran.

Die hygienischen Bedingungen sind die gleichen.

Leider haben wir dort kein Internet, weshalb ich in nächster Zeit nicht mehr so regelmäßig online sein kann.

Ich werde natürlich versuchen den Blog weiterhin so gut wie möglich zu führen.

 

Mir geht es hier weiterhin gut. Mittlerweile fahren Lea und ich immer zusammen, aber ohne weitere Begleitung auf die Dörfer und unterrichten.

Unsere Methode mit den Kindern zu malen, um ihnen dann die englischen Begriffe anhand der selbst gemalten Bilder zu erklären macht uns und ihnen sehr viel Spaß. Die Kinder haben so eine Möglichkeit kreativ zu sein und wir umgehen „langweiligen“ Frontalunterricht.

Ab und zu singen wir auch einfache englische Lieder mit ihnen, oder spielen Gruppenspiele.

In den Dörfern fühlen wir uns sehr willkommen und fahren sehr gern dorthin.

 

Mit der Sprache klappt es Schritt für Schritt besser. Manchmal bin ich deprimiert, wie klein die Schritte sind, aber wenigstens komme ich ein bisschen vorwärts.

Die "Mamas" in den Dörfern haben Geduld und versuchen uns stets zu unterstützen.

 

Die Regenzeit rückt näher

Donnerstag, 01.11.2012

 

In den letzten zwei Tagen hat es durchgänging geregnet. Die Sonne hat sich gar nicht blicken lassen und die rote Erde überall verwandelte sich in roten Matsch.

Uns wurde gesagt, dass die eigentliche Regenzeit erst am Ende des Monats beginnt, aber so hatten wir schonmal einen kleinen Vorgeschmack.

Lea und ich haben zwei Tage frei bekommen, da es nicht möglich war in die Dörfer zu fahren.

Wir verbrachten die Zeit damit englische Texte von den Angestellten zu korrigieren, schauten uns ein paar Filme an und haben viel gelesen.

 

 

Bekanntschaft mit "Malaria"

Mittwoch, 31.10.2012

 

In der letzten Woche hatte ich meine erste Begegnung mit dem großen Schreckgespenst „Malaria“.

 

Nachdem ich einige Tage Kopfschmerzen und Bauchprobleme hatte, und es statt besser nur schlimmer wurde, hat mich Lea überredet doch mal zum Arzt zu gehen.

Wir fuhren zusammen mit einer Schwestern zu einem Arzt in der Nähe. Es war eine medizinische Tagesstation, die von einer indischen Schwester geleitet wird.

Als erstes wurde mir Blut abgenommen. Dabei wurde ein Tropfen Blut auf einen Objektträger getropft und unter einem einfachen Mikroskop betrachtet. Die ganze Szene erinnerte mich sehr an den Biologieunterricht in der Schule.

Nach 10 Minuten wurde mir dann das Ergebnis mitgeteilt : Malaria.

In Deutschland assoziiert man immer gleich das Schlimmste mit diesem Wort, aber hier habe ich festgestellt, dass jede kleine Krankheit als „Malaria“ bezeichnet wird.

Ich musste wirklich lächeln, als mir das Ergebnis des Bluttests mitgeteilt wurde, denn ich hätte mit allem gerechnet- nur nicht damit.

Mir wurde dann allerdings auch klar, warum die Durchfall- und Magenmedikamente, die ich von Deutschland mitgenommen hatte, keine Wirkung zeigten.

Ich bekam Medikamente von der Krankenschwester vor Ort und ruhte mich einige Tage aus. Danach ging es mir schon wieder besser.

Persönlich glaube ich, dass ich einfach ein Problem mit dem Klima hatte und mich noch immer nicht richtig an die Hitze hier gewöhnt habe.

Man muss sich also keine Sorgen machen. Mir geht es soweit gut und ich bin wieder in den Dörfern unterwegs, um Kindergruppen zu treffen.

 

 

Zwei Monate in Tansania

Samstag, 27.10.2012

 

Jetzt bin ich wirklich schon zwei Monate hier in Tansania. Ich kann es noch gar nicht glauben. Es ist wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht...

Es gibt Momente, da scheint die Uhr komplett still zu stehen, aber im Nachhinein erscheint so manches, als wäre es erst gestern gewesen.

 

Im letzten Monat haben wir die Projekte immer besser kennengelernt. Wenn man in bestimmte Dörfer kommt, wird man von den Kindern schon erkannt und herzlich begrüßt.

Mittlerweile fahren Lea und ich auch ab und zu schon ohne eine Schwester, oder einer Angestellten, in die Dörfer.

Wir bringen den Kindern Gruppenspiele bei und unterrichten ein bisschen Englisch.

Ab und zu nehmen wir Buntstifte mit in die Dörfer und lassen die Kinder einfach mal malen. Was für uns nach einer normalen Kinderbeschäftigung klingt, ist hier ein großes Ereignis. Die Kinder stürzen sich auf die Stifte und sind sichtlich froh darüber, auch mal nicht nur im Sand malen zu müssen, wo ihre Kunstwerke gleich wieder verschwinden.

Die Sprache ist noch eine kleine Barriere zwischen uns und den Kindern, aber man kann sich ja auch durch Handzeichen verständlich machen. J

Es macht Spaß und so lernen nicht nur die Kinder, sondern auch wir immer eine Menge dazu.

 

Am 24.10. hat Lea ihren 20. Geburtstag gefeiert. Wir haben am Vortag einen Kuchen gebacken, der uns erstaunlich gut gelungen ist. Den Tag haben wir uns beide so schön wie möglich gestaltet. Wir waren nach der Arbeit ein Eis essen und haben uns am späten Abend unter den afrikanischen Sternenhimmel gelegt.

 

Unser Verhältnis zu den Schwestern bleibt unverändert. Mit ihrer meist kühlen und strengen Art finden wir einfach keinen engeren Draht zu ihnen. Ich glaube, dass wir uns vor unserer Abreise auch mehr mit der indischen Kultur hätten beschäftigen müssen. Manchmal bin ich wirklich geschockt, wie hart ihr Ton und ihre Umgangsweisen gegenüber den Angestellten sind. Man merkt, dass hier eine klar durchstrukturierte Hierachie vorherrscht – sowohl in der indischen, wie auch in der tansanischen Kultur.

 

 

Kinderparlament

Samstag, 06.10.2012

 

Ich glaube, ich sollte noch einmal genauer einen Teil von meinen Einsatzbereich hier beschreiben und dabei das Wort „Kinderparlament“ etwas erklären.

 

Heute waren wir in einem Dorf, wo wir ein Kinderparlament getroffen haben. Ein Kinderparlament ist einfach eine Kindergruppe, die mit der Hilfe von DMI, Englischunterricht bekommt und in dem die Kinder mehr über Demokratie und Gleichberechtigung lernen. Durch Geschichten, die den Kindern vorgelesen werden, sollen sie anfangen über bestimmte Sachverhalte im Umgang miteinander nachzudenken. Die Geschichten haben Titel, wie z.B. „Starke Kinder schlagen nicht“ oder „Ehrlichkeit und Wahrheit“. Nachdem die Geschichte vorgelesen wurde, wird mit den Kindern darüber gesprochen, was sie davon lernen können und was für eigene Ideen sie zum jeweiligen Thema haben.

 

Am heutigen Tag haben wir mit den größeren Kinder das Alphabet in Englisch gelernt, sowie englische Begrüßungsformeln. Theoretisch hätten die meisten Kinder dies schon aus der Grundschule wissen müssen, aber da die Klassen hier sehr groß sind und nicht auf jeden Einzelnen eingegangen werden kann, haben die meisten Kinder große Probleme mit diesen Grundlagen. Es ist aber sehr wichtig, dass die Kinder Englisch lernen, denn in den weiterführenden Schulen wird nur noch auf Englisch unterrichtet und viele Kinder haben dann sehr große Probleme. In Tansania besteht in der Theorie eine Schulpflicht, die sich aber nur auf die Grundschule bezieht, wo auf Kiswahili unterrichtet wird. Durch das Kinderparlament konnten die Kinder nochmal in Ruhe und Schritt für Schritt die Grundlagen erlernen bzw. wiederholen.

 

Die kleineren Kinder spielten nebenbei, da die meisten von ihnen nicht wissen, wie man überhaupt einen Stift hält. In Deutschland kann man sich dies wahrscheinlich gar nicht vorstellen, denn sobald ein Kind groß genug ist, bekommt es Stift und Papier zum Malen vorgelegt. Hier haben die Kinder diese Möglichkeit nicht, deshalb haben wir einigen kleinen Kinder heute Stifte und Papier in die Hand gedrückt und ihnen gezeigt, wie man Striche malen und teilweise auch schon Buchstaben schreiben kann. Sie haben sich sehr gefreut und begeistert mitgemacht, denn sonst können sie ja nur im Sand oder Matsch malen.

 

Am Ende des Treffens wurden in der Gruppe dann die „Leiter“ gewählt. Es wurden Kinder von der Gruppe vorgeschlagen, die dann durch geheime Wahl (Arme heben mit geschlossenen Augen) gewählt worden. Diese Leiter sind dafür verantwortlich, dass sich die Gruppe regelmäßig trifft und sie können auch entscheiden, ob manchmal zusätzliche Treffen nötig sind.

Außerdem verwalten sie die „Ersparnisse“. Jedes Kind bringt zu jedem Treffen ein ganz kleines bisschen Geld mit (ca. 5 Cent), was dann zusammen gespart wird. Dadurch sollen die Kinder das Sparen lernen und wenn genug vorhanden ist, wird demokratisch abgestimmt, was damit passiert. Ich bin gespannt, ob dies wirklich umsetzbar ist. Die Gruppe in dem Dorf ist noch relativ neu, aber die Schwestern haben uns berichtet, dass in einem anderen Dorf ein Kinderparlament mit ihren Ersparnissen einen Wassertank für ihr Dorf kaufen konnte.

 

Ich finde die Arbeit mit den Kindern in den Kinderparlamenten sehr sinnvoll und hoffe, dass die Kinder auch etwas dadurch lernen. Ich bin jetzt aber noch nicht lange genug da, um dies feststellen zu können.

 

Als große Herausforderung sehe ich immer noch die Sprache. Lea und ich können uns noch nicht ohne Hilfe verständigen, weshalb wir weiterhin immer zusammen mit tansanischen Angestellten, die mehr oder weniger Englisch sprechen, in die Dörfer fahren.

 

 

Medical Camp

Dienstag, 02.10.2012

 

Heute wurde von den Schwestern in einem Dorf ein sogenanntes “Medical Camp” organisiert.

Man hat einen Arzt aus dem Krankenhaus in Songea eingeladen, der die Menschen dort untersucht hat.

Früh am Morgen fuhren wir alle zusammen in das Dorf und bereiteten die Räume vor.

Es gab einen Raum für den Arzt und einen Raum, in dem die Medikamente ausgegeben wurden.

Die Medikamente wurden von den Schwestern bereitgestellt und wurden zu niedrigen Preisen an die Patienten verkauft. Insgesamt kamen an diesem Tag rund 60 Patienten jeden Alters. Manche waren sichtlich krank und brauchten Medikamente, aber andere kamen nur zu einer normalen Routineuntersuchung.

Meine Aufgabe an diesem Tag war es, den Blutdruck und das Gewicht aller Patienten zu messen. Dabei war ich sehr geschockt, wie dünn und leicht die meisten Menschen hier sind. Durch ihre weite, ausgewaschen und abgetragene Kleidung, fällt ihre abgemagerte Figur meistens gar nicht so sehr auf. Eine junge Frau, die 20 Jahre alt war und im letzten Monat ein Kind geboren hatte, wog nicht mehr als 42 kg und war ungefähr so groß wie ich.

Es war wirklich ein guter Tag, an dem man die Hilfe, die die Menschen hier von den Schwestern bekommen, deutlich gesehen hat. Viele Dorfbewohner kommen selten nach Songea und eine gute medizinische Versorgung in den Dörfern ist nicht gegeben.

 

 

 

Ein Monat in Tansania

Donnerstag, 27.09.2012

 

Manchmal kann ich es selbst kaum glauben, aber ich bin jetzt wirklich schon einen ganzen Monat in Tansania.

 

Ich muss sagen, dass noch immer Vieles neu ist und ich mich weiterhin in der Eingewöhnungsphase befinde.

 

Mittlerweile haben wir schon einen ziemlich geregelten Tagesablauf.

Jeden Morgen unterrichten Lea und ich die „Formation Girls“ (Novizinnen), die hier auf dem Gelände leben. Es gibt zwei Gruppen. Die eine Gruppe befindet sich im ersten Jahr ihrer religösen Ausbildung und wird von Lea unterrichtet. Die andere Gruppe, die ich unterrichte, sind Mädels im zweiten Ausbildungsjahr. Wir versuchen ihnen jeden Tag eine Stunde lang die englische Sprache etwas näher zu bringen.

Danach fahren wir beide mit einem Daladala (typischer Bus in Tansania) zum Office nach Songea, wo wir bis zum Mittag versuchen Kiswahili lernen. Dabei werden wir von den einheimischen Mitarbeitern kräftig unterstützt. Sie sind alle total freundlich und wir haben viel Spaß zusammen.

Am Nachmittag fahren wir dann in verschiedene Dörfer.

Lea und ich gehen meistens getrennt mit einer Mitarbeiterin mit, damit wir gezwungen sind die Sprache anzuwenden. Dies klappt mal mehr und mal weniger gut, aber es ist stets spannend und man weiß nie genau was man zu erwarten hat.

In den Dörfern treffen wir entweder auf eine Schulklasse in einer Grundschule, auf eine Frauengruppe oder ein Kinderparlament. Manchmal kommt es allerdings auch vor, dass die Frauen und Kinder aus zeitlichen Gründen einfach nicht kommen, oder an diesem Tag unerwartet die Schule ausfällt.

Es kann also auch sein, dass wir in ein Dorf kommen und dort keine Gruppe vorfinden. Dann unterhalten wir uns gelegentlich mit den Leuten aus dem Dorf und fahren wieder zum Office zurück. Es ist immer sehr aufregend mehr über das Leben und die Kultur der Einheimischen zu erfahren, denn nur so werden wir ihr Verhalten verstehen lernen und ihnen gezielt helfen können.

 

Die Highlights der letzten Woche waren für mich, dass ich bei zwei Kinderparlamenten dabei war. Ich habe den Kindern versucht ein paar Sätze Englisch beizubringen. Dies ist allerdings gar nicht so leicht, wenn 20 -40 Kinder, in den unterschiedlichsten Altersklassen, vor einem sitzen und dich mit großen Augen anstarren. Leider habe ich noch nicht die sprachlichen Voraussetzungen um mich ohne Probleme mit den Kinder verständigen zu können. Mit der Hilfe der einheimischen Mitarbeiter klappt die Kommunikation aber schon ganz gut. Ich weiß nicht, ob die Kinder auch wirklich voll und ganz verstehen, was ich ihnen beibringen möchte. Trotzallem glaube ich, in ihren Augen eine gewisse Dankbarkeit ablesen zu können, dass man sich überhaupt mit ihnen beschäftigt. Oft habe ich das Gefühle, dass viele Kinder sich selbst überlassen sind und die Eltern sich nicht so sehr um sie kümmern können oder wollen.

Es ist ein Teil der Kultur, die ich wahrscheinlich erst noch begreifen muss.

Ich war letzte Woche außerdem in einer Grundschule, wo ich ab jetzt regelmäßig Englisch unterrichten soll. Als wir dort ankamen, um mit dem Dirktor zu sprechen, wurde ich kurz der Klasse vorgestellt. Sie waren ganz alleine in ihrem Klassenzimmer und es herrschte ein buntes Chaos. Wieder einmal waren die Kinder sich selbst überlassen. Man erklärte mir, dass es hier einfach zu wenig kompetente Lehrer gibt. Die Englischkenntnisse des Englischlehrers der Schule, den ich auch noch kennenlernte, waren auch nicht sonderlich ausgeprägt.

Wenn wir von den Dörfern wieder zu unserem Haus zurückkommen, sind wir oft müde und kaputt. Die neue Sprache, die manchmal wirklich unverständliche Kultur und das ungewohnte Klima wirken sich täglich auf Geist und Körper aus.

Trotz der Anstrengungen und Eingewöhnungsprobleme, bin ich wirklich glücklich hier zu sein.

 

 Es ist einfach einmalig und unglaublich spannend ein Leben wie dieses kennenlernen zu dürfen. Die Einheimischen begegnen uns meist mit Neugier und großer Herzlichkeit. Ich fühle mich hier sehr willkommen.

 

Mit den Schwestern, bei denen wir wohnen, haben wir leider nicht so viel Kontakt. Die indische Kultur ist schwer durchschaubar und ich glaube, dass sie mit einer bestimmten Gefühlskälte verbunden ist. Wir fühlen uns bei ihnen noch nicht ganz so sehr willkommen.

Auf dem Gelände gibt es eine einheimische Köchin. Jeden Abend bekommen wir unser Essen von ihr vor die Haustür gebracht. Lea und ich essen dann immer zusammen. Meistens gibt es Reis , Kartoffeln, oder Chapati (eine tansanische Art von herben Pfannkuchen) mit Sauce und dazu schwarzen Tee mit Zucker.

Auch beim Essen distanzieren sich die Schwestern immer sehr. Wir haben noch nicht einmal mit ihnen zusammen am Esstisch gesessen. Ich bin sehr gespannt, wie sich unser Verhältnis zu ihnen in Zukunft entwickeln wird.

 

Ich bin sehr froh nicht allein hier zu sein. Mit meiner Mitfreiwilligen Lea verstehe ich mich wirklich gut. Wir können uns stets gut unterhalten und teilen unsere Gefühle und Erlebnisse miteinander. Es ist sehr hilfreich jemanden an seiner Seite zu haben, der genau verstehen kann was einen beschäftigt.

 

Ich hoffe, dass wir uns weiterhin Schritt für Schritt eingewöhnen werden.

Women’s & Children’s Day

Samstag, 15.09.2012

 

Heute war das große Fest, welches von den DMI-Schwestern organisiert wurde.

Die Schwestern waren sehr angespannt. Man hoffte, dass alles gut klappen würde. Am Vortag haben wir alle zusammen viele Stühle und Dekoration auf dem Festgelände aufgebaut. Das Militär stellte als Veranstaltungsort das „Maji Maji Museum“ zur Verfügung, sowie mehrere Busse, die Kinder und Frauen aus der Umgebung nach Songea brachten. Für uns begann der Tag um 8 Uhr am Office, wo sich schon einige Schulklassen zusammengefunden hatten. Nach und nach kamen die Busse an und es wurden immer mehr Menschen. Zu den besonderen Gästen gehörten u.a. der Bischof von Songea und der verantwortliche Politiker der Stadt. Vom Office ging ein Festmarsch bis zum Veranstaltungsgelände. Sehr viel Frauen und Kinder nahmen daran teil. Das offizielle Programm ging von 10 bis 14 Uhr. Es wurden Reden gehalten, Kinder tanzten und Frauen stellten ihre Projekte und Arbeiten vor. Zu meinem großen Erstaunen waren die vielen Kinder unglaublich geduldig und hörten meistens aufmerksam zu. Da wir kaum ein Wort verstanden, kam es mir und Lea unglaublich lang vor und wir konnten nicht richtig verstehen, was nun der tiefere Sinn der Veranstaltung war. Wahrscheinlich ging es einfach darum, dass sich DMI präsentierte und auch die Frauen und Kinder zeigen konnten, was sie in letzter Zeit alles erreicht haben. Nach dem offiziellen Teil sammelten sich die Dorfgruppen zusammen. Jede Gruppe hatte ihr eigenes Essen mitgebracht und so gab es auf der Wiese mehrere Picknickgruppen. Wir gingen mit den Schwestern und den offiziellen Gästen ins Office, wo wir dann Mittag gegessen gehaben. Am Nachmittag waren wir hier auf dem Gelände, haben Wäsche gewaschen und einfach nur ausgeruht. Obwohl man hier eigentlich noch nicht viel zu tun hat, ist man doch immer sehr müde. In den Nächten können wir aufgrund der vielen Geräusche der Nacht (Hunde, Katzen, Gesänge) und dem teilweise starken Wind, der unsere Fensterläden und Türen zum Knacken und Krachen bringt, kaum schlafen.

Wir müssen uns erstmal an alles gewöhnen und uns hier einleben.

 

 

Ankunft in Songea

Freitag, 14.09.2012

 

Wir sind in Songea angekommen.

 

Am 11.09.2012 sind Lea und ich mit einem Bus von Dar es Salaam an der Küste in den Süden nach Songea gefahren, wo wir unser Projekt und unsere Unterkunft haben. Die Fahrt war sehr lang und anstrengend. Insgesamt waren wir 15 Stunden unterwegs. Es gab auf der langen Reise allerdings auch viel zu sehen. Da wir durch einen Nationalpark gefahren sind, haben wir Elefanten, Giraffen und Affen sehen können. Auf dem Weg von Dar es Salaam nach Songea wurde die Landschaft zunehmend grüner, es waren immer mehr Hügel zu entdecken und die Erde färbte sich zunehmend rot. Hier in Songea angekommen war es bereits dunkel und wir waren müde. Die Schwestern empfingen uns herzlich mit einem leckeren Tee. Danach bezogen wir unsere Zimmer.

 

Das Gelände auf dem wir wohnen liegt etwas außerhalb von Songea, in dem ca. 6 km entfernten Ruhuwiko.

Wir wohnen in einem Haus, welches früher einmal ein Hostel für Mädchen war. Es besteht im Grunde nur aus einem großen Raum , sowie Toilette und Dusche. Für uns wurden aber extra zwei abgetrennte kleinere Räume mit Sperrholz gezimmert. Der Rest des großen Raumes ist mit alten Doppelstockbetten vollgestellt. Als wir ankamen hatten wir nur ein Bett, aber mittlerweile stehen auch ein kleiner Schrank, sowie ein Tisch im Zimmer. Wasser gibt es hier nur von 6:30 bis 7:00 Uhr. Einer von uns muss also immer früher aufstehen und die Eimer füllen. Internetverbindung ist auf dem Gelände leider kaum vorhanden, aber im Office geht es einigermaßen.

 

In den letzten Tagen haben wir noch nicht viel Zeit gefunden die Schwestern besser kennenzulernen oder die Umgebung zu erkunden. Hier wird gerade ein großes Fest („ Women’s & Children’s Day“) vorbereitet. Wir helfen so gut wir können im Office mit, wo unsere Hauptaufgabe darin besteht Dekoration zu basteln. In der nächsten Woche hoffen wir, die Projekte langsam kennenzulernen und mehr Kontakt zu den Schwestern aufbauen zu können.

 

Ansonsten geht es mir sehr gut. Nicht nur die atemberaubende Landschaft, sondern auch die Menschen und ihre Lebensweise faszinieren mich. In den Straßen von Songea sind meistens eine Menge Menschen zu sehen und auch hier auf dem Land trifft man immer auf jemanden. Die Leute sitzen vor ihren Lehm- oder Backsteinhütten und schauen dich an. Als Weißer („mzungu“) wird man hier sowieso überall angestarrt. Kinder in zerlumpten Kleidern spielen im roten Sand und Jugendliche rasen mit ihren „pikipikies“ (Motorrädern) die Wege entlang. Die Frauen tragen oft lange Röcke und Tücher in den verschiedensten Farben und mit unterschiedlichsten Mustern. Land und Leute bilden eine Welt voller Farben, in absoluter Einfachheit.

 

 

Das Abenteuer Afrika hat begonnen!!

 

Mittwoch, 05.09.2012

 

Ich bin gut angekommen.

Der Flug war sehr lang und anstrengend, da wir 16 Stunden unterwegs waren. Wir kamen am 27.08.2012 um 8.30 Uhr in Dar es Salaam an. Nachdem wir lange warten mussten bis unsere vorübergenden Visas ausgestellt wurden, brachten uns zwei Schwestern von den DMI-Sisters aus Dar es Salaam zum Hostel. Die Fahrt mit dem Kleinbus war dabei schon das erste große Erlebnis. Obwohl wir alles sehr müde waren, waren wir sehr gefesselt von dem was wir sahen. Es war der erste Blick in eine neue Welt. Auf der Hauptstraße, auf der wir fuhren, hupten und drängelten sehr viele Autos und an den staubigen Seitenstreifen, waren viele Mensch zu sehen, die große Karren vor sich herschoben oder Wassereimer auf den Köpfen transportierten.

Nachdem wir im Hostel angekommen waren, trafen wir auf zwei weitere Freiwillige, die mit uns in den Sprachkurs machen.

Wir bezogen unsere Zimmer. Danach gingen wir zusammen mit einer Schwester in ein nahgelegenes Einkaufszentrum, was dem westlichen Bild entspricht. In den letzten Tagen haben wir gemerkt, dass dort auch nur privilegierte Einheimische, oder Weiße einkaufen gehen. Wir kauften uns Handykarten, einen Internetstick und Verpflegung für die ersten Tage, da wir uns im Hostel selbst um Essen kümmern müssen.

Das war unser erster Tag als Freiwillige.

 

In den letzten Tagen haben wir uns schon relativ gut eingerichtet und uns gut eingelebt. Die laute, staubige und volle Stadt, Dar es Salaam, kann uns nicht mehr abschrecken.

Während wir an den Vormittagen immer in die Sprachschule gehen, um ein bisschen Kiswahili zu lernen, gehen wir an den Nachmittagen oft auf einen Markt, schauen mitgebrachte DVDs, gucken uns die Stadt an oder versuchen schon erste kleine Gespräche mit den Nachbarn zu führen. Ich glaube trotz allem, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis wir die Sprache voll und ganz verstehen und  vor allem benutzen können.

Am schönsten finde ich hier die Märkte.

Man kann dort in eine bunte, geschäftige Welt abtauchen.

 

Am letzten Wochenende hatten wir frei. Wir fuhren mit einem hier typischen Bus ("daladala") zu einem Strand, den hauptsächlich Touristen besuchen. Am Rande des Indischen Ozeans haben wir uns einmal so richtig ausgeruht und entspannt. Man konnte von allen Gedanken, die man sich über die kommende Zeit macht, Abstand nehmen.

Es war traumhaft.

 

Unsere Zeit in Dar es Salaam geht schon bald zu Ende. Anfang der nächsten Woche werdenLea und ich uns mit dem Bus nach Songea aufmachen, wo unsere Einsatzstelle ist.

Wir sind gespannt.

 

Jetzt geht´s los ....

 

Samstag, 25.08.2012

 

Jetzt ist es also endlich soweit. In den Seminarrunden und in Gesprächen mit ehemaligen Freiwilligen habe ich viele wertvolle Informationen erhalten. Wenn es morgen los geht, werde ich aber meinen eigenen, persönlichen Weg gehen. Ich freue mich auf die vielen neuen Erfahrungen und auch Herausforderungen, die auf mich warten werden.

 

Morgen geht es um 7:53 Uhr mit dem Zug von Dresden nach Frankfurt zum Flughafen. Dort treffe ich Lea und die anderen Freiwilligen, die mit IN VIA nach Tansania gehen. Der Flieger hebt um 15:30 ab. Ich bin sehr gespannt, ob alles klappt.

 

Ich freue mich sehr und melde mich dann wieder, sobald ich angekommen bin....

 

"Julia Kuka erfüllt sich ihren Traum"

 

31.08.2012

 

In der Lausitzer Rundschau wurde heute ein Artikel über mein Vorhaben veröffentlicht.

 

http://www.lr-online.de/regionen/senftenberg/Julia-Kuka-aus-Grosskoschen-erfuellt-sich-ihren-Traum-von-Afrika;art1054,3926546

 

 

Ausreiseseminar in Berlin

 

Montag, 30.07.2012

 

Nach dem Vorbereitungsseminar in Köln folgte nur wenige Tage danach das Ausreiseseminar in der Nähe von Berlin. Im Christian-Schreiber- Haus in Grünheide, welches direkt am Peetzsee liegt, fand das Seminar vom 25.07. bis 29.07. 2012 statt.

Dieses Seminar wurde direkt von meiner Entsenderorganisation IN VIA organisiert.

Ich habe durch dieses Seminar meine Mitfreiwillige Lea kennenlernen können. Wir haben uns gut verstanden und ich freue mich sehr auf das kommende Jahr mit ihr.

In diesen Tagen ging es weniger um allgemeine Informationen, die wir ja bereits in Köln erhalten haben, sondern mehr um genauere Details zum Gastland, zum Projekt und zur Ausreise.

Das Wetter war fast bis zum Schluss sehr gut, sodass wir jeden Tag im See baden gehen konnten. Die Abende haben wir uns immer selbst bunt gestaltet. Wir waren z.B. mal auf dem Paddeln, haben Gruppenspiele gespielt und Lagerfeuer gemacht.

 

Jetzt sind es nur ncoh 3 Wochen bis zu meiner Ausreise. Ich fühle mich gut vorbereitet und freue mich schon sehr.

Vorbereitungsseminar in Köln

In der Zeit vom 11.07.2012 bis zum 20.07.2012 habe ich an einem Vorbereitungsseminar auf dem Gelände der AGEH (Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe) in Köln teilgenommen. Hinter mir liegen 10 anstrengende und intensive, aber auch interessante und lustige Tage, die mich gut auf mein Freiwilliges Soziales Jahr in Tansania vorbereitet haben.

 

Im Mittelpunkt des Seminars standen folgende Aspekte:

 

  • Klärung von Zielen, Rollen, Aufgabenstellungen im spezifischen Rahmen ihrer Institution und Mitarbeit vor Ort
  • Selbstvergewisserung ihrer Motivation und ggf. ihrer Veränderungsabsichten

  • Stärkung ihrer persönlichen Handlungsmöglichkeiten im sozialen Kontext

  • Stärkung ihrer sozialen Kompetenzen in interkultureller Kommunikation und Zusammenarbeit

  • Erschließung internationaler sozialer Fragen und politischer Handlungsmöglichkeiten im Gemeinwesen
  • Erlangung von sozialer, gesundheitlicher und lebenspraktischer Sicherung im jeweiligen Gastland

(www.fid.ageh.org )

 

Mittwoch, 11.07.2012

Die Anreise erfolgte am Mittwoch bis 16 Uhr. Zuerst hieß es für alle erstmal in Ruhe anzukommen, die Zimmer und Räumlichkeiten kennenzulernen und die anderen Teilnehmer, sowie die drei Seminarleiter, zu begrüßen.

Ich war mit Julia Braun und Leonie Sauer in einem Zimmer. Die zwei Mädels kamen direkt aus Köln und werden im nächsten Jahr zusammen an einem Projekt in Kenia arbeiten.

In der ersten offiziellen Einheit wurden mehrere Kennenlernrunden absolviert, da es gar nicht so leicht war 28+3 Namen auf Anhieb im Gedächtnis zu behalten. Es war lustig und spannend zu sehen, von wo alle kommen und wo ihre Projekte im nächsten Jahr sein werden. Die meisten Freiwilligen werden nach Südamerika (Peru, Chile und Bolivien) oder nach Afrika (Kenia, Uganda und Sambia) gehen. Es waren aber auch Jugendliche dabei, die das nächste Jahr in Bosnien oder Israel verbringen werden.

Nach dem Abendessen um 18 Uhr wurden noch ein paar Gruppenspiele gespielt. Die Stimmung lockerte sich dadurch immer mehr auf und die Vorfreude auf die kommende Seminarzeit stieg!!!!!

 

Donnerstag, 12.07.2012

Am zweiten Tag des Seminars sollten alle Teilnehmer ihre Themenwünsche und Anliegen für die kommenden 10 Tage auf kleine Zettel schreiben. Die Ergebnisse stellte man dann der Gruppe vor, ehe die Zettel sortiert und in Kleingruppen nochmal genauer beleuchtet wurden. Danach wurde der konkrete Seminarplan erstellt. Zu unseren Themen kamen die Angebote der drei Seminarleiter, die im voraus schon einige Referenten zu den verschiedensten Themen eingeladen hatten. Der Seminarplan schien uns am Ende fast zu erschlagen, denn es gab so viele Themengruppen und feste Einheiten, dass wir gar nicht mehr wussten wann und wie wir alle Anliegen mit einbeziehen können. Mit vielen Diskussionen stand der Plan am Ende aber doch.

Am Ende des Tages befasste man sich aufgrund der Masse an Themen bereits mit den ersten "kleineren" Themen. Das erste Thema des Seminars war "Sexualität". Wir sprachen kurz über das Thema Verhütung und beschäftigten uns in Kleingruppen mit den unterschiedlichen Flirtverhalten in anderen Kulturen und welche Missverständnisse entstehen können. Parallel dazu lief ein Workshop zum Thema Förderkreis, wo darüber gesprochen wurde wie man die Spenden am besten verwaltet und wie man den Ansprüchen der Förderer gerecht werden kann. Nach dem Abendessen saßen die Teilnehmer länderspezifisch zusammen und erstellten den ersten Entwurf einer Packliste. Es wurde viel darüber gesprochen was wichtig ist, oder was zu Hause bleiben kann.

Am Abend folgten wieder gemütliche Runden in der Gruppe, wo u.a. Spiele gespielt, oder gesungen, wurde.

 

Freitag, 13.07.2012

Das Thema des heutigen Tages lautete „Lebensfluss". Zuerst kam es darauf an, in aller Abgeschiedenheit von der Gruppe sein Leben nochmal Revue passieren zu lassen. Man sollte sich bewusst machen, welche Menschen einem wichtig sind oder waren, welche Ereignisse das Leben prägten und durch welche Höhen und Tiefen man ging. Seine Gedanken sollte man dann, je nach individuellen Fähigkeiten, kreativ darstellen. Viele malten mit Fingerfarben einen großen Fluss mit verschiedenen Stationen auf ein Plakat. Am Nachmittag stellte jeder seinen Lebensfluss einer Kleingruppe vor. Es war eine interessante Zeit, die in uns viele Emotionen hervorriefen. Es wurde sehr offen über persönliche oder familiären Problemen, Krankheiten und Todesfälle geredet. Es war wirklich ein sehr emotionaler Tag.

Letztendlich ging es darum, dass man sich bewusst machen sollte wer man eigentlich ist und mit welchem Hintergrund man seinen Freiwilligendienst antreten wird.

 

Samstag, 14.07.2012

Heute ging es um "Interkulturelle Kommunikation". Die Seminarleiter hatten Leonel Brug eingeladen, einen Diplom Psychologen aus Suriname, nördlich von Brasilien. Er wohnt derzeit in den Niederlanden und hat seine Wurzeln in Latein- und Mittelamerika. Er erklärte uns u.a. , dass Missverständnisse in interkulturellen Beziehungen, meistens durch unterschiedliche Grundwerte entstehen. Anhand von mehreren praktischen Beispielen wurden wir auf bestimmte Situationen vorbereitet.

Um sich den komplexen Mechanismen bewusst zu werden zeigte uns Leonel bestimmte Theorien, die man als Freiwilliger immer im Hinterkopf haben sollte. So teilt er die Menschen in zwei Gruppen auf. Auf der einen Seite stehen die U-Menschen (u – universell). Diese Menschen findet man verstärkt in Nordeuropa und Nordamerika. Diese Menschen zeichnen sich durch eine rationale und objektive Denkweise aus, da sie alle Probleme nach Recht und Gesetz versuchen zu lösen. Auf der anderen Seite stehen die P-Menschen (p – partikular). Diese findet man vorallem in Südamerika, Süd- und Osteuropa, Afrika und Asien. Hier basieren Normen und Werte auf den individuellen Grundannahmen der Menschen, was zu einer meist subjektiven Wahrnehmung führt.

Zu dem „P&U-Modell" kommt die Einteilung in Ich-Menschen und Wir-Menschen. Wir-Menschen schätzen zwischenmenschliche Beziehungen sehr, verstecken sich oft in einer Gruppe und übernehmen schnell die Meinung von Anderen. Ich-Menschen sagen, was sie denken. Sie schämen sich nicht und haben ein schlechten Gewissen, wenn sie unehrlich sind.

 

Sonntag, 15.07.2012

An diesem Tag ging es mit Leonel Brug und dem Thema „Interkulturelle Kommunikation" weiter.

Zunächst ging es um das Thema „Kulturschock". Wir wurden darauf vorbereitet in was für emotionale Lagen wir im kommenden Jahr geraten werde. Die erste Zeit wird für viele von uns wohl die „Flitterwochenzeit" sein, wo alles neu und toll ist. Später wird man aber auch anfangen das Leben im Gastland mit dem deutschen Alltag zu vergleichen. Es kann dann schnell dazukommen, dass man in der deutschen Lebensweise das Paradies sieht und die dortigen Verhältnisse kritisiert. Wir haben im Zusammenhang damit auch darüber gesprochen, wie man solche Krisen überwinden kann.

Der zweite Teil des Tages beschäftigte sich mit dem Thema „Vorurteile". Leonel Brug zeigte uns, wie Vorurteile uns helfen und wo sie gefährlich werden können.

Durch sie kann man u.a. lernen, die eigenen Stärken und Schwächen besser zu verstehen. Wir sprachen auch darüber, wie manVorurteile erkennen, verstehen und abbauen kann.

In diesen zwei sehr lehrreichen Tagen wurden uns oft die Augen geöffnet.

Leonel Brug, ein erstaunlich intelligenter Mann mit großer Lebenserfahrung, überzeugte mit Sprachwitz und Redegewandheit und wird wohl langfristig in den Köpfen aller Teilnehmer bleiben.

Nach dem Abendessen konnte man eine Messe im Kölner Dom besuchen. Die Predigt traf viele von uns genau ins Herz. Es ging um die Aussendung der Jünger im Neuen Testament. Jeder von uns hat eine Mission zu erfüllen, um Gutes zu vollbringen. Gerade wir als Freiwillige haben uns dabei prompt angesprochen gefühlt.

Am Abend hörten wir einen Ehemaligenbericht eines ehemaligen Freiwilligen. Er war in für ein Jahr in Brasilien und berichtete von dem wohl „schönsten Jahr seines Lebens".

 

Montag, 16.07.2012

Heute haben wir das AGEH- Gelände für einen ganzen Tag verlassen.

Es stand der Besuch einer sozialen Einrichtung in Köln an. In drei Gruppen besuchten wir am Vormittag karitative Projekte um einen Einblick in die dortige Arbeit zu erlangen. Ich fuhr mit einer kleinen Gruppe in eine Behindertenwerkstatt, wo wir eine Führung durch die verschiedenen Arbeitsbereiche der Werkstatt erhielten. Es war erstaunlich zu sehen, wie intensiv und zufrieden die Beschäftigten mit geistiger, körperlicher und psychischer Behinderung arbeiteten.

Wir hatten 5€ bekommen, um uns an diesem Tag selbst etwas als Mittagessen zum kaufen. Ich ging mit einer kleinen Gruppe zu einem Obdachlosenrestaurant. Dort kann man sich aussuchen, ob man am Ende 2 oder 5€ bezahlen will. Es war sehr interessant zu sehen, wie gut eine solche Einrichtung angenommen wird.

Der Nachmittag stand den Teilnehmern frei zur Verfügung. Viele sind auf den Kölner Dom gestiegen und haben sich die Einkaufsstraßen der Stadt mal ein bisschen genauer angeschaut.

Am Abend wurden wieder Gruppenspiele gespielt.

Nachdem das Seminar in den letzten Tagen sehr intensiv war, war es schön auch man ein bisschen Zeit für sich zu haben.

 

Dienstag, 17.07.2012

Am Dienstag begrüßten wir Thomas Wieland, der zum Thema "Begegnung mit Armut" referierte. Er selbst lebte 5 Jahre in Kolumbien unter den Armen und konnte aus Erfahrung sprechen. Thomas Wieland machte uns klar, dass Armut von Politik und Glaube abhängt. Politik und Glaube geben Zugehörigkeit und sind charakterbildend. Es wurde deutlich, dass materielle Armut nur ein Teil der Armut ist. Ganz im Gegensatz zur materiellen Armut sind die „Armen" sehr oft reich an Glauben. Der Referent machte uns deutlich, dass wir als Freiwillige (die nur für ein Jahr im jeweiligen Land sein werden), nicht viel an der vorherrschenden allgemeinen Armut ändern können. Unsere Aufgabe wird es vielmehr sein mit den Menschen dort in Kontakt zu kommen, mit ihnen zu reden und zu versuchen ihre Kultur und ihr Leben zu verstehen. Es ist wichtiger, uns mit den Armen persönlich auseinanderzusetzen, als ihnen von oben herab Geld zu zuwerfen oder zu versuchen sie aus der Armut herauszuziehen.

Am Ende war es ein sehr hilfreicher Tag mit einem sympathischen Referenten, der uns zeigte, dass wir eigentlich nichts leisten, aber dennoch eine ganze Menge tun können.

 

Mittwoch, 18.07.2012

Am Vormittag besuchte uns Rachel Eltop von der fid-Zentrale. „Fid" (freiwillige interneationale Dienste) war der eigentliche Ausrichter des Seminars.

Sie sprach über das Thema „Soziale Sicherheit" und beantwortete alle Fragen zu Dingen wie: Versicherung, Vollmacht, Visum, Papiere und Wertgegenstände.

Insgesamt war es sehr interessant und wichtig, da alle diese Dinge den Freiwilligendienst erst ermöglichen und abrunden.

Am Nachmittag kam der Tropenmediziner Dr. Burkhard Rieke zu unserem Seminar. Bei seinen Berichten zum Thema „Gesunderhaltung" schockierte er uns mit Bildern, die uns die unhygienischen Zustände in den ärmsten Regionen der Erde verdeutlichten und gab uns viele hilfreiche Hinweise, wie wir uns vor schlimmen Krankheiten schützen können.

Außerdem gab er uns noch Tipps zu notwendigen Impfungen und dazu, was alles in die Reiseapotheke gehört.

 

Donnerstag, 19.07.2012

Am letzten vollen Tag des Seminars stand das Thema "Mein Blick in die Zukunft" an.

Ähnlich wie beim Lebensfluss-Tag beschäftigte sich jeder mit sich selbst: Was ist mir für meine Zukunft wichtig? Was für Erwartungen oder Befürchtungen habe ich im Hinblick auf meinen Freiwilligendienst?

Die Ergebnisse wurden am Nachmittag wieder in Kleingruppen zusammengetragen. Man bekam eine Rückmeldung von den Anderen der Gruppe. Wir wünschten uns alle gegenseitig nur das Beste, sprachen uns Mut zu und teilten unsere Bedenken. Es tat gut zu hören, dass man mit seinen Befürchtungen und in seiner Vorfreude nicht allein ist.

 

Freitag, 20.07.2012

Der Tag des Abschieds war geprägt von vielen Emotionen. Jeder konnte mit einem Brief den anderen Teilnehmern noch liebe Worte mit auf den Weg geben.

Hinzu kam eine abschließende Auswertung, wo jeder nochmal seine Meinung und Gedanken zum Seminar und der uns bevorstehenden Zeit äußern konnte.

Danach verabschiedeten wir uns alle voneinander.

Ich habe auf dem Seminar eine Menge nette Leute kennengelernt, viel dazu gelernt und unglaublich viel gelacht. Ich hoffe, dass ich einige der Teilnehmer nochmal wiedersehe, denn wir waren wirklich eine tolle Gruppe.

 

 

 

Ich stehe jetzt in den Startlöchern und freu mich auf meinen Freiwilligendienst in Tansania.

 

 

 

 

 

 

Spendenaufruf im TV

Dienstag, der 12. Juni 2012

 

Ich bin noch immer auf der Suche nach Unterstützung für mein FSJ in Tansania.

Heute hatte ich ein kleines Interview beim Dresdener Stadtfernsehen.

Hier beschreibe ich kurz nochmal mein zukünftiges Projekt. Da das Interview auf eine bestimmte Länge geschnitten wurde, sind leider nicht alle Informationen zum Projekt in dem Interview enthalten.

 

http://www.dresden-fernsehen.de/default.aspx?ID=12209&showNews=1173837&newVideo=0

 

Ich beantworte gern noch weitere Fragen und auch hier auf meiner Seite gibt es noch viele weitere Details über mein Vorhaben.

 

Ich würde mich über jede Art von Unterstützung sehr freuen - jede Hilfe zählt!!